Tausende Menschen gingen am Samstag auf die Straßen, um in mehreren Städten gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren. Auch dieses Mal war es eine Mischung aus Rechts- und Linksextremen, Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern und Menschen, die keine Lust mehr auf Beschränkungen zum Schutz vor dem Coronavirus haben.
Es blieb überwiegend ruhig – nur in Hamburg musste die Polizei härter durchgreifen. Aus 50 angekündigten Demonstranten wurden circa 800 Linke und Rechte, die die Polizei mit Tränengas auseinanderhalten musste. Es gab auch mehrere Festnahmen.
▶︎ In anderen Städten gab es keine oder kaum nennenswerte Auseinandersetzungen. In Berlin nahmen mehrere Hundert Menschen an einer Kundgebung des Verschwörungstheoretikers und Vegan-Kochs Attila Hildmann gegen die Corona-Beschränkungen teil. Er hatte zuletzt mit ziemlich irren Theorien auf sich aufmerksam gemacht.

Die Polizei sperrte für die Kundgebung einen Bereich ab und wies Hildmann darauf hin, dass nicht mehr als 50 Teilnehmer erlaubt seien. Auch Komiker Oliver Pocher zeigte sich am Nachmittag am Reichstag – vor laufenden Kameras diskutierte er mit Hildmann. Danach wurde er von der Polizei vom Gelände geleitet.

Zur gleichen Zeit fanden Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen und Gegenproteste auf dem Alexanderplatz und an der Volksbühne statt. Am Alexanderplatz gab es laut der Polizei nach einer ersten Einschätzung einige Dutzend Teilnehmer, rund um den Rosa-Luxemburg-Platz etwas mehr als 100. Die Polizei sorgte mit rund 1000 Beamten für den nötigen Abstand. Es gab nach Angaben der Polizei bislang rund 200 vorläufige Festnahmen und Identitätsfeststellungen.
Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) appellierte: „Lassen Sie sich nicht von Extremisten instrumentalisieren. Demonstrieren Sie friedlich. Halten Sie sich von Gewalttätern fern.“ Demonstrieren sei auch in Corona-Zeiten mit Mindestabstand erlaubt. „Aber überlegen Sie sich gut, an welcher Seite Sie stehen.“
▶︎ In Halle an der Saale wurde bei einer Corona-Demo ein ZDF-Team bedrängt. Das Team habe in der Nähe eines Wagens der Demonstranten Aufnahmen machen wollen, dann sei es zu verbalen Attacken gegen die Journalisten gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei sei dazwischengegangen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Das ZDF-Team habe später unter Polizeischutz freiwillig den Marktplatz verlassen.

Hinter dem Protest in der baden-württembergischen Hauptstadt steht die Initiative „Querdenken“ des Unternehmers Michael Ballweg. Ballweg kündigte an, wegen der Beschränkungen der Versammlungsfreiheit erneut vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Bundes- und Landesregierung müssten vom Verfassungsschutz beobachtet werden, meint er.
In München ist die genehmigte Teilnehmerzahl von 1000 kurz vor Veranstaltungsbeginn am frühen Nachmittag erreicht worden. Die Polizei ließ keine Menschen mehr auf das abgesperrte Gelände auf der Theresienwiese. Über Lautsprecher wurden die nicht zugelassenen Demonstranten aufgefordert, nach Hause zu gehen. Eine Rednerin kündigte an, „nächste Woche hier mit 10 000 Menschen stehen“ zu wollen.
Manche der Teilnehmer trugen Transparente mit Slogans wie „Freiheit statt Zwang“, andere Masken mit der Aufschrift „mundtot“. „Was die Politiker hier anordnen, ist reine Willkür“, sagte eine der Rednerinnen. „Und wer aufmuckt, wird plattgemacht.“ Sie stellte unter anderem infrage, warum sich Politiker plötzlich für die Alten interessierten, die sonst kein Gehör fänden.

