Bornheim – Die Lage rund um den Bornheimer Erdbeer- und Spargelhof von Claus Ritter wird immer dramatischer.

Nachdem seit Anfang des Jahres ein Insolvezverfahren läuft, kommt es seit vergangenem Freitag zu massivem Protest der Erntehelfer, die sich über angeblich unfaire Lohnzahlungen und katastrophale Lebensbedingungen beklagen. Ihr Ärger richtet sich vor allem gegen den Insolvenzverwalter, der den Betrieb seit einigen Monaten leitet.
Weil wegen Corona vor allem der Absatz von Spargel einbrach, hatte die Gläubigerversammlung beschlossen, die Spargelernte, wegen der viele Arbeiter aus Rumänien angeworben worden waren, abzubrechen.
Seit Montagmorgen findet erneut eine Kundgebung rund um das Containerdorf für Saisonarbeiter in Bornheim statt.
Bornheim: Erntehelfer bei Spargel Ritter beklagen sich über Unterbringung und Lohnzahlung
Rund 200 Menschen haben sich zu der Kundgebung gegen die schlechte Behandlung der Erntehelfer versammelt, unter ihnen sind auch etwa 60 der betroffenen Arbeiter aus Rumänien. Sie rufen immer wieder laut „Bani, Bani“ – zu Deutsch: Geld. Organisiert wird der Protest von der Gewerkschaft FAU Bonn. Auch Mitglieder der Linkspartei unterstützen die Demonstration.

„Wir haben am Freitag von den Mängeln erfahren und sind dann gleich nach Bornheim gefahren. Wegen der Sprachbarriere sind wir später mit Übersetzern wiedergekommen, dann wurden uns die Zustände vor Ort geschildert“, berichtet FAU-Sprecher Erik Hagedorn gegenüber BILD.
Er ist fassungslos über das, was die Arbeiter über ihre Situation behaupten: Ihnen werde kein Geld oder viel zu wenig ausgezahlt, außerdem werde teils abgelaufenes, verschimmeltes oder verrottetes Essen ausgeteilt, teilweise ungekochter Reis.about:blankabout:blankjavascript:void(0)✕
Auch die hygienischen Einrichtungen seien in katastrophalem Zustand, es gebe außerdem kein warmes Wasser. „Das ist wie Sklaverei“, beklagt Hagedorn.
Hygienische Situation für Saisonarbeiter Spargel Ritter in Bornheim beanstandet
Das Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises, das die Stadt Bornheim in beratender Funktion unterstützt, hatte die Zustände in den Toiletten bei einer Begehung am Freitag beanstandet.
Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens leitet Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen den Betrieb. FAU sieht den Anwalt unter „dringendem Handlungsbedarf“ und fordert im Namen der Arbeiter eine sofortige Begleichung der ausstehenden Löhne. Ein Anwalt für Arbeitsrecht ist inzwischen eingeschaltet. Schulte-Beckhausen war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.
Spargelhof Ritter: Alte Betreiber erheben schwere Vorwürfe gegen Insolvenzverwalter
Auch von den langjährigen Betreibern des Spargelhofs gibt es harsche Kritik am Vorgehen des Insolvenzverwalters. Gegen die Familie Ritter besteht seit einigen Wochen ein Tätigkeitsverbot, nachdem sie zunächst noch mit ihrer Expertise in die Abläufe auf den Feldern eingebunden waren.

„Der Insolvenzverwalter ist für niemanden mehr zu erreichen und hat sich komplett abgeschottet“, beklagte Ritters Schwiegersohn und langjähriger Mitarbeiter Moritz Lorek auf BILD-Nachfrage: „Ich habe Gehaltsabrechnungen für die Saisonarbeiter gesehen, wo 360 Euro für einen Monat ausgezahlt wurden. Das kann nicht sein. Dadurch kommen die Demonstrationen zustande, die wir komplett unterstützen.“
Viele der Arbeiter seien seit 25 Jahren jedes Jahr wiedergekommen. Dass sie jetzt mit Hungerlöhnen abgespeist und dazu gedrängt würden, Auflösungsverträge zu unterschreiben, mache die Familie Ritter sprachlos. „Es geht um unseren Namen, wir haben uns in der Region über 25 Jahre einen guten Ruf erarbeitet“, beklagt Lorek.

