Die amerikanische Tageszeitung „New York Times“ widmet ihre Sonntagstitelseite den US-Opfern der Coronavirus-Pandemie.

Kein Foto, keine weiteren Artikel: In sechs Spalten druckt die Zeitung ganzseitig die Namen Hunderter Verstorbener ab. Insgesamt stehen in der Ausgabe 1000 Namen aus veröffentlichten Nachrufen und jeweils ein persönlicher Satz zu den Opfern.
„Die 1000 Menschen hier stellen nur ein Prozent der Opfer dar. Keiner von ihnen war nur eine Statistik“, twitterte die „Times“. Die Überschrift, die sich von links nach rechts über die ganze Seite erstreckte, lautete: „Fast 100 000 Tote in den USA, ein unermesslicher Verlust.“
„Zahlen alleine können nicht die Auswirkungen des Coronavirus auf Amerika messen, sei es die Zahl der behandelten Patienten, unterbrochener Jobs oder zu früh beendeter Leben“, schrieb die „New York Times“.
Unter den 1000 geehrten Opfern waren unter anderem folgende Menschen beschrieben:
► Dante Dennis Flagello (62 Jahre alt) aus Rome im Bundesstaat Georgia, dessen „größte Errungenschaft die Beziehung mit seiner Frau war“.
► Thomas E. Anglin (85) aus Cumming in Georgia „schaffte viele wunderbare Erinnerungen für seine Familie“.
► Joseph W. Hammond (64) aus Chicago im Bundesstaat Illinois „gab seinen Beruf auf, um sich um seine Eltern zu kümmern“.
Die USA sind weltweit mit Abstand das am schwersten von der Pandemie betroffene Land. Bis Samstagabend wurden 1,6 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 97 000 Todesfälle registriert. Die Marke von 100 000 Toten dürfte in den kommenden Tagen erreicht werden.
Zugleich nehmen die US-Bundesstaaten derzeit erste Lockerungen der Corona-Beschränkungen vor.
Präsident Donald Trump (73), der auf seine Wiederwahl im November hofft, drängt angesichts massiver Arbeitsplatzplatzverluste in der Krise auf eine weitere Öffnung des Landes. „Übergang zur Großartigkeit“, twitterte Trump am Samstagabend seinen Slogan für das Wiederhochfahren des Landes.
Viele Kommentatoren verwiesen jedoch auf die Unstimmigkeit zwischen der hohen Opferzahl und dem Tweet des Präsidenten.
George Conway, ein Trump-Kritiker und der Ehemann von Trump-Beraterin Kellyanne Conway, teilte bei Twitter am Samstag die „NYT“-Titelseite neben einem Foto, das Trump beim Golfspiel zeigt.
Fahnen auf halbmast
Die USA trauern um die zehntausenden Toten in der Corona-Pandemie.
US-Präsident Donald Trump (73) ließ Flaggen auf halbmast hängen.
„Ich werde die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden und Nationaldenkmälern über die kommenden drei Tage hinweg in Erinnerung an die Amerikaner, die wir wegen des Coronavirus verloren haben, auf halbmast hängen“, kündigte Trump am Donnerstagabend auf Twitter an.

Am Montag begehen die USA den Memorial Day, an dem traditionell der Kriegsveteranen und Gefallenen gedacht wird. Auch dann werde auf halbmast geflaggt, erklärte Trump.
Die führenden Demokraten im US-Kongress, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, hatten Trump am Donnerstag aufgefordert, die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden im Land auf halbmast zu hängen, sobald die Zahl von Toten infolge der Pandemie erreicht. „Es würde ein nationaler Ausdruck der Trauer sein, den jeder in unserem Land so sehr braucht“, erklärten Pelosi und Schumer.
Der besonders heftig von der Corona-Pandemie getroffene US-Bundesstaat New York hatte bereits Anfang April Tausende Opfer der Pandemie auf diese Weise geehrt.

