Anfeindungen gegen Wissenschaftler: Lauterbach und Drosten erhalten Morddrohungen

BERLIN – Nun ist bei ihm das Fass übergelaufen… Karl Lauterbach hat sich mit einem wichtigen Appell an die Öffentlichkeit gewandt. Der Auslöser: Der 57-Jährige hat einen Gift-Brief erhalten.

„Morddrohungen bis zu Beleidigungen aller Art, einige von uns müssen viel hinnehmen”, schrieb er am Dienstagabend (26. Mai) bei Facebook.

Karl Lauterbach erhält Gift-Brief und appelliert an Öffentlichkeit

„Daher sollte jeder mit einem Restbestand von Charakter die Hetze im Netz gegen Virologen, Epidemiologen oder Politiker einstellen. Es animiert Leute, die unberechenbar sind. Denkt an unsere Familien”, schrieb er.

Dazu teilte der Politiker ein Foto, das einem wirklich Gänsehaut bereitet: Es zeigt einen braunen Brief, adressiert an Prof. Dr. Karl Lauterbach im Deutschen Bundestag.

Den Inhalt Briefes hat Lauterbach auf dessen Oberfläche drapiert: Dort liegt ein kleines, gelbliches Fläschchen, auf dem die Worte „2019 nCoV” stehen, darunter die Worte „positiv” und „negativ”. Neben „positiv” ist ein Häkchen gesetzt.

Oberhalb des Fläschchens liegt ein Zettel, auf dem steht: „Trink das – dann wirst du immun.”

Christian Drosten zu Lauterbach: „Das selbe Paket habe ich heute auch bekommen”

Lauterbach ist offenbar nicht der einzige, der von dem schrecklichen Hass-Schreiben betroffen ist. Denn Virologe Christian Drosten kommentierte den Beitrag des Politikers bei Twitter mit den Worten: „Das selbe Paket habe ich heute auch bekommen.”

Damit sind die beiden Wissenschaftler allem Anschein nach zur Zielscheibe von Hass und Hetze im Rahmen der aktuellen Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Maßnahmen und Restriktionen geworden.

Bereits Ende April räumte Christian Drosten in einem Interview mit dem britischen „Guardian” ein, dass er Morddrohungen erhalte und „für viele der Böse” sei.

Die Nutzer der Sozialen Netzwerke reagierten größtenteils geschockt auf den Post der beiden Wissenschaftler: „Das ist unfassbar widerlich und ich bin fassungslos, dass Menschen frei angefeindet werden, weil sie sich dafür einsetzen, dass es anderen Menschen gut geht”, kommentierte etwa die SPD-Politikerin Derya Türk-Nachbaur.

Grünen-Politikerin Ricarda Lang schrieb zu Drostens Post: „Danke für Ihre Arbeit. Es ist unerträglich, dass Sie dafür solchen Angriffen ausgesetzt sind. Volle Solidarität.“