Strafanzeige: Bund Katholischer Ärzte wirbt im Web für „Homoheilung“

Besonders viele junge Menschen leiden durch die Pseudo-„Therapien“ unter Depressionen, Ängste, sozialer Isolation bis hin zu einem erhöhten Suizidrisiko

Herr, lass Hirn regnen …

Den Bund Katholischer Ärzte (BKÄ) erwartet eine Anzeige – wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen („Homo-Heilung“). Die queerpolitische Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws (54), hatte die Strafanzeige gestellt. Das kann sie, weil zusammen mit Konversionsbehandlungen an Minderjährigen, vor einigen Monaten in Deutschland auch die Werbung dafür verboten worden ist.

Grund für die Anzeige ist ein Hilfe-„Hinweis“ auf der Webseite der BKÄ, in dem es heißt: „Sehr geehrter Besucher, liebe Arztkollegen, der BKÄ (…) zeigt Möglichkeiten zur Behandlung von homosexuellen Störungen und Problemen auf und will dieses Thema aus ärztlich-theologischer Sicht bearbeiten.“

Deutscher Bundestag - Medienexpertin aus Krefeld: Ulle Schauws
Seit Oktober 2013 ist sie Mitglied im Deutschen Bundestag für die Grünen: Ulle Schauws

BITTE WAS?

► Erstens: Was sind bitte „homosexuelle Störungen“? Und zweitens: Was will man da aus ärztlich-theologischer Sicht „bearbeiten“?

Der BKÄ schreibt: „Hierfür bedarf es einer Zusammenarbeit aller interessierten Fachleute, z.B. innerhalb eines noch zu gründenden ,Netzwerk Hilfe bei Homosexualität‘. Deshalb laden sie „alle kompetenten und seriösen Helfer und Therapeuten“ ein, „in einem deratigen wissenschaftlichen und sozialen Hilfswerk mitzuwirken.“

Und weiter: „Keinesfalls dürfen mögliche Hilfen verschwiegen oder gar gesetzlich unterdrückt werden.“


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BKÄ WETTERT GEGEN „GENDER-IDEOLOGIE“

„Ja, es gibt Hilfen“, liest man dann darunter. Und: „Auch wenn es Manche nicht hören möchten oder Andere gerade deshalb auf dieser Website suchen. Es gibt religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der ,Behandlung’ bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen.“

Auf der Unterseite „Homosexualität“, ist zu lesen: „Der BKÄ ist aufmerksam und widersetzt sich politischen und gesellschaftlichen Strömungen, die die Homosexualität verharmlosen und deren Folgen nicht wahr haben wollen.“ Zudem ist ein Text über „homöopathische Therapiemöglichkeiten bei homosexuellen Leiden und Neigung“ verlinkt. Damit sei speziell ein „Entgiften“ gemeint.

Als katholische Ärztegemeinschaft wolle man auch die „Gender-Ideologie“ nicht anerkennen, stattdessen wolle man trans* Menschen „anders helfen“ und in „ihrem Leiden nicht allein lassen“.

Doch damit nicht genug: Derzeit sucht der BKÄ sogar nach „aktzeptablen Alternativen zu den von den besorgten Medien und Betroffenen ungern gesehenen Begriffen“, etwa „Therapie“, „Behandlung“ und „Heilung“. Zudem sei es ihnen wichtig festzustellen, dass Homosexualität „je nach Sichtweise eine Art ,Erkrankung’ sein kann.

► Um es ganz klar zu sagen: DAS IST HOMOPHOBIE!


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Menschen einreden zu wollen, sie seien „krank“, weil sie sich zu dem gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, brachte nun offenbar auch Schauws auf die Palme.

Sie erklärt dazu: „Mit Entsetzen habe ich auf der Webseite des Bundes Katholischer Ärzte entdeckt, dass dieser für Konversionsbehandlungen wirbt.“ Der BKÄ beschreibe Homo- und Bisexualität als „ein psychisches Defizit“, oder „eine geistig-körperliche Reifungsstörung“ und behauptet, dass medizinische Transitionsprozesse wie Hormonbehandlungen gefährlich sind, „weil sie die Ursachen in Geist und Seele dieser Menschen nicht behandelt“.

Schauws findet, es könne nicht sein, dass sich eine Organisation von Ärzten für diese lebensgefährlichen Pseudotherapien trotz des gesetzlichen Verbots so offen ausspricht: „Offensichtlich hat das Gesetz nicht genug abgeschreckt. Es ist darum wichtig und vor allem notwendig, gegen diese Scharlatanerie vorzugehen“, so die 54-Jährige.

Darum habe sie am Freitag gegen die Betreiber der Webseite Strafanzeige erstattet und die Bundesärztekammer um die „Einleitung berufsrechtlicher Schritte gebeten.“ Auf Twitter begründet sie die Strafanzeige so: „Wer immer noch Heilung durch Konversionsbehandlungen anpreist, auf widerwärtigste Weise LGBTIQ als ,Leidende‘ mit ,psychischem Defizit‘ verunglimpft, kriegt die Breitseite mit dem Strafrecht. Klare Kante.“

WAS SAGT DER BKÄ DAZU?

Der möchte als „christliche Aufbruchs- und Erneuerungsbewegung“ auf der Grundlage des Evangeliums und der Lehre der katholischen Kirche „christliche Werte und katholische Spiritualität in der Ärzteschaft fördern und zu entsprechenden Glaubenszeugnissen ermutigen“.

Ermutigen, homosexuellen Menschen einzureden, dass sie falsch sind? Wie krank diese „Therapien“ wirklich sind, hat der Kultur-Sender arte zusammengefasst.


ARTE-DOKU: Wie krank ist „Homo-Heilung“?