Kommentar: Demokratie in Deutschland

Glosse von Knut Cordsen: Die Heilige Corona – und ihr passendes Merchandise  | BR KulturBühne | BR.de

Corona-Kritiker schreien nach Meinungs- und Redefreiheit, welche sie durch die „Merkel-Diktatur“ in Gefahr sehen – verlernen dabei das Wertschätzen ihrer Freiheiten.

In Deutschland kann sich versammelt, die persönliche Meinung ausgesprochen, scharfe Kritik an hochrangigen Politikern wie etwa der Bundeskanzlerin geübt werden, ohne halbtot geprügelt und inhaftiert oder gefoltert zu werden. Zehntausende können sich nach zahlreichen Demonstrationen, bei welchen sämtliche Corona-Maßnahmen bewusst missachtet wurden, noch immer auf den Straßen der Bundesrepublik versammeln – obwohl von vorneherein klar ist, dass sich die meisten Teilnehmer wieder nicht an die Hygiene-Regeln halten werden.

Das Problem der Gesellschaft ist dasselbe wie zunehmend in allen Lebensbereichen: Menschen, die alles haben, werden undankbar – können inzwischen selbst ihre Freiheitsrechte nicht mehr zureichend wertschätzen. Dabei ist Deutschland eines der besten Beispiele für Recht und Freiheit – im Gegensatz zu manch anderen Ländern.

Ganz aktuelles Beispiel: Nordkorea. Diktator Kim Jong-un ließ erst kürzlich fünf Wirtschafts-Beamte erschießen, nachdem diese ihn bei einem Dinner wegen seinem wirtschaftspolitischen Handeln kritisierten. Wollen wir das?

Ein noch zutreffenderes Beispiel: Iran. Der Ringer-Star Navid Afkari (27) wurde vom herrschenden Mullah-Regime hingerichtet, nachdem er – wie die ‚Freiheitskämpfer‘ in Deutschland – auf einer Demonstration für Freiheitsrechte mitgegangen war. Wollen wir das?

Nun noch einmal die Frage: Wollen wir das? Wollen wir solche Zustände? – Oder anders: Haben wir solch gravierende Zustände?

Das Problem der Menschen ist es zudem, für ihre Meinung kritisiert zu werden. Dabei ist Rede und Antwort der Sinn einer Demokratie – in einem Kaiserreich, dass sich einige Reichsflaggen-Träger bei Corona-Demos zurückwünschen, herrschten ganz andere Zustände.